← Zurück zum Blog

Die kurze Antwort

In Deutschland muss die Reserve alle 180 Tage (= 6 Monate) von einem zugelassenen Packer gepackt und auf Funktion geprüft werden. Die Frist gilt unabhängig davon, ob du in der Zwischenzeit gesprungen bist oder nicht. Eine abgelaufene Reserve heißt: du darfst nicht mehr springen, bis sie frisch gepackt ist.

Kosten pro Packung: 40–70 €. Dauer: 60–90 Minuten reine Arbeitszeit, in der Praxis Wartezeit von 1–4 Wochen je nach Packer-Auslastung.

Was rechtlich genau gilt

Grundlage ist die LuftVZO (Luftverkehrszulassungsordnung) sowie die DFV-Vorschriften. Konkret:

  • 180-Tage-Frist ab letztem Pack-Datum, gestempelt im Packing-Card im Reserve-Container
  • Pflicht-Packer mit gültiger Zulassung (Master Rigger oder Senior Rigger nach DFV-Stufen)
  • Sicht- und Funktionsprüfung der Reserve, des Reserve-Container-Loops, der Pilot-Chute, der Bridle
  • Schriftlicher Eintrag mit Datum, Packer-Name + Stempel, eventuelle Beanstandungen

International gilt unterschiedliche Praxis: USA hat seit 2008 sogar 180 Tage (vorher 120), in einigen EU-Ländern 365 Tage. Wer im Ausland springt, sollte beim Packer prüfen, ob die deutsche 180-Tage-Frist trotzdem akzeptiert wird.

⚠ Wichtig fürs Ausland Bei Boogies in Empuriabrava, Klatovy oder Eloy: Repack-Frist nach strengstem Recht auswählen — also den 180-Tage-Stempel mitnehmen. Wer dort plötzlich „abgelaufen" ist, darf vor Ort nicht springen, auch wenn das Land selbst lockerer wäre.

Was beim Repack passiert — Schritt für Schritt

1. Vor-Inspektion (10 Min)

Der Packer öffnet den Reserve-Container und nimmt die Reserve heraus. Sichtprüfung:

  • Tuch-Zustand (Risse, Verfärbungen, Verschmutzung — Speichel beim Auswringen darf nicht durchgehen)
  • Lines (alle 7 Reefing-Lines, alle Steuerlinien, Brake-Lines)
  • Pilot-Chute (Spring-Funktion, Federkraft, Bridle-Befestigung)
  • Reserve-Loop, Closing-Pin, AAD-Cutter
  • Container-Innenseite (Beschädigungen, Verschmutzung)

2. Hauptpack-Vorgang (30–60 Min)

Die Reserve wird neu zusammengelegt — eine Mischung aus Choreographie und Ritual, die jeder Packer leicht anders macht aber in einer engen Spezifikations-Bandbreite. Wichtig:

  • Korrekte Linien-Sequenz, keine Verkrümmungen
  • Sauberer Bag-Sit (Reserve im Free-Bag korrekt orientiert)
  • Pilot-Chute richtig komprimiert + im Container verstaut
  • Closing-Loop in der korrekten Länge

3. AAD-Service falls fällig (5–15 Min)

Wenn dein AAD (Cypres 2, Vigil 2, Mars m2) wartungsfällig ist, wird er beim Repack mit gewartet — in der Regel ausgebaut, eingeschickt, und beim nächsten Repack wieder eingebaut. Mehr Details: Cypres 2 vs Vigil 2 — welcher AAD passt zu dir?

4. Closing + Stempel (5 Min)

Reserve-Container wird geschlossen, Closing-Pin gesetzt. Pack-Card wird mit Datum, Name, Packer-Stempel, Beanstandungen unterschrieben. Du gehst raus mit einer offiziellen 180-Tage-Frist.

Was der Repack kostet

Reine Pack-Gebühr: 40–70 €. Die Spanne hängt von:

  • Packer-Stufe: Senior Rigger günstiger als Master Rigger
  • Region: Bayern + Niedersachsen tendenziell günstiger als NRW + BaWü
  • Komplexität: Standard-Container vs. Tandem-Reserve (Tandem 60–90 €)
  • Beanstandungen: Wenn der Packer Schäden findet, kommen Reparatur-Kosten dazu (z.B. neue Pilot-Chute 80–120 €, neue Reserve-Lines 40–80 €)

Über 12 Jahre durchschnittliche Reserve-Lifetime macht das ca. 1.200–1.800 € reine Repack-Kosten. Plus AAD-Service alle 4 Jahre: 200–300 € extra je Service. Mehr zur Kosten-Übersicht für Gear: Wartungsintervalle: Reserve, AAD und Container.

Was bei abgelaufener Frist passiert

🚫 Keine Sprünge mit abgelaufenem Repack Eine abgelaufene Reserve macht den Sprung rechtlich illegal. Bei einem Unfall ist die DFV-Versicherung im Worst Case raus. Und kein DFV-Manifestierter wird dich in der Maschine rausgehen lassen, wenn er das Pack-Card-Datum sieht.

Konkret bedeutet „abgelaufen":

  • Du darfst nicht springen — egal ob 1 Tag oder 1 Jahr drüber
  • DZ-Manifest checkt bei Wettkämpfen, Boogies und auch im Routine-Check
  • DFV-Versicherung kann Leistung verweigern wenn Schaden entsteht und Repack abgelaufen war
  • Wieder-Aktivierung: einfach zum Packer, neu packen lassen — keine Sonderregeln, keine Strafen wenn du nicht mit abgelaufener Frist gesprungen bist

Wie verpasst du das Datum nie wieder

Das alte „Klebe-Zettel-System"

Der klassische Move: Pack-Datum auf der Pack-Card mit Filzstift in den Kalender übertragen. Funktioniert, aber: Wer im Mai 2026 einen Termin im November 2026 einträgt, hat im November längst vergessen warum.

Das digitale System

In Sprunghelden trägst du dein Reserve einmal als Equipment ein, mit Pack-Datum und „nächste Inspektion". Sobald die Frist näher rückt, bekommst du eine Erinnerungs-Mail in drei Stufen:

  • 90 Tage vor Ablauf — entspannte Erinnerung („demnächst Termin machen")
  • 30 Tage vor Ablauf — dringlicher Hinweis
  • 7 Tage vor Ablauf — letzte Warnung

Plus: bei jedem Sprung der mit deiner Reserve geloggt wird, prüft das System automatisch die Frist. Wenn du aus Versehen einen Sprung mit abgelaufener Reserve einträgst, kommt eine rote Warnung. (Yes, das ist real passiert — Springer denken nicht immer dran.)

🎭 Probier's selbst aus In der Sprunghelden-Demo ist Lukas' Equipment komplett gepflegt — inkl. Reserve mit fiktivem nächsten Repack-Termin. Schau dir die Wartungs-Übersicht an: lukas / demo1234 → Equipment.

Sonderfälle

Reserve-Auslösung

Wenn die Reserve einmal raus war (egal ob „Cutaway + Reserve" oder Total-Mal vom Cypres), muss sie vor dem nächsten Sprung neu gepackt werden — die 180-Tage-Frist ab Auslösung beginnt nicht erneut, sondern startet ab nächstem Pack-Datum.

Reserve im Lager

Container, der über Winter im Schrank liegt: nach 180 Tagen ist die Reserve trotzdem abgelaufen. Der ungenutzte Schirm „altert" durch Setzungen im Tuch und durch das gefaltete Material — daher die Frist. Wer im Frühjahr wieder springt, geht zuerst zum Packer.

Tandem-Reserven

Tandem-Reserven haben in Deutschland 120 Tage Frist (kürzer wegen Doppel-Last). Tandem-Master wissen das, aber als Schüler/Lizenzler ist es relevant wenn man auch Tandem-Master werden will.

Häufige Fragen

Kann ich selbst Reserve packen?

Nein. In Deutschland nur ausgebildete Master/Senior Rigger. Du darfst zwar bei der eigenen Reserve dabei sein (oft sogar mitmachen unter Anleitung) — aber unterschreiben + Stempel setzen darf nur der Rigger.

Was wenn der Packer einen Schaden findet?

Du wirst angerufen, Reparatur-Kosten besprochen, Reparatur durchgeführt, dann normal gepackt. Bei größeren Schäden (z.B. Reserve-Tuch beschädigt durch UV oder Chemie) entscheidet der Rigger, ob die Reserve noch flugtauglich ist.

Wann ist eine Reserve „zu alt"?

Es gibt keine harte Lifetime in Deutschland — aber die meisten Reserves werden nach 15–25 Jahren oder 40–50 Repacks aussortiert. Hersteller (PD, Performance Designs) geben oft Lifetime-Empfehlungen aus.

Bring ich mein eigenes Tuch zum Repack?

Manche Springer fragen das. Antwort: nein. Der Packer schaut sich die existierende Reserve an, packt sie neu — Tuch wechseln ist eine separate Operation (mit Hersteller-Manual + Anpassung).

Fazit 180 Tage. Punkt. Wer das im Kopf behält, hat keine Probleme. Wer es ohne System managt, vergisst es im Schnitt einmal pro Jahr — und steht am Sprungtag vor einem Problem das niemand will.

Weitere Artikel